Der Tellerrand und die wahren Feinde


Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich extrem „rechten“ Dingen ebenso skeptisch gegenüberstehe wie extrem „linken“. Rechts und links hab ich auch absichtlich in Anführungsstriche gesetzt, weil diese Klassitizierung nicht mehr zeitgemäss ist und mitunter (zumindest in meinen Augen) Dinge trennt und als völlig gegensätzlich hinstellt, obwohl es auch genug Gemeinsamkeiten gäbe, wenn beiderseits auf (ebenfalls nicht mehr zeitgemässe) teile der eigenen Ideologie verzichtet würde. Ich hab bei Youtube ein Video eines älteren Mannes gesehen, der in Kanada lebt und sich als „Nationalsozialist“ bezeichnet, in seinem Beitrag auch auf „Mein Kampf“ eingeht, das er grösstenteils für Blödsinn und teilweise verbrecherich hält (sinngemäss seine Aussage), während allerdings zu rund 30% auch sozial und gesellschaftlich revolutionäre Visionen enthalten sein sollen, hinter denen er zu 100% steht.

Das alte Links- und Rechts-Schema ist also vor allem verfremdende Schwarzweissmalerei, die jegliche dazwischen liegende Nuance und Farbvariation völlig ausser acht lässt. Weder ist „der Nazi“ ein generell ausländerhassender potentieller Gewalttäter noch ist „der Sozialist“ jemand, der jedem alles wegnehmen will. Die Wahrheit liegt meiner Meinung nach irgendwo dazwischen, die strikte Trennung und gegenseitige Feindschaft spielt aber in jedem Fall denen in die Hände, denen an einer starken und handlungsfähigen Opposition nicht gelegen ist. Darüber sollte man sich mal Gedanken machen und nach Gemeinsamkeiten und möglichen Kompromissen suchen, die ich für schwierig, aber nicht unmöglich halte. Was fehlt, ist ein Bindeglied.

Ich habe mich auch mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und mir einige Entwicklungen mal versucht, aus Perspektiven vor Augen zu führen, wie es sich ausgewirkt haben könnte, wenn dies oder jenes damals nicht so, sondern anders entschieden und gehandhabt worden wäre (rein technisch und ohne ideologische Wertung). Mein persönliches Fazit ist, dass entscheidende Personen nicht oder nicht ausreichend zu persönlichen Opfern bereit waren, nötige Kompromisse nicht eingingen bis verweigerten und starr und unflexibel auf den Abgrund zu marschierten. Dieses kompromisslose und unflexible Denken herrscht noch heute vor und schadet weit mehr, als es je nutzen könnte.

In der politischen Arbeit sehe ich alle Dinge, die mit irgendeiner Form von Extremismus in Verbindung gebracht werden könnten, politischen Gegnern die „Nazi-Keule“ direkt in die Hand geben, die selbst dann, wenn man sie abwehren kann, noch den Stempel des Rechtspopulismus stehen lässt. Wichtig bei politischer Arbeit ist immer, wie man von aussen gesehen wird, auch (und gerade) von politischen Gegnern. Einmal mit dem Nazi-Vorwurf stigmatisiert, können Politische Gegner darüber auch alle Inhalte angreifen, und sind diese noch so gut und richtig, weil, was ein Nazi sagt, muss falsch sein, weil der böse sein muss. Ob jemand tatsächlich Nazi ist, spielt dabei keine Rolle, sondern nur, wie er hingestellt werden kann.

Für mich persönlich zählen Inhalte und nicht, wo derjenige herkommt. Bei den meisten Menschen sieht es genau anders herum aus, denn sie sind so konditioniert worden. Das ist aber kein deutsches Problem, sondern betrifft nahezu alle Völker Europas und viele in der übrigen Welt. Zu lösen ist das nicht, indem man sich auseinanderdividieren lässt, sondern indem man sich europaweit zusammenschliesst und weltweite Allianzen schliesst. Der eigene Tellerrand versperrt den Blick auf das kommende Unheil und schon die Frage danach, wer denn Interesse daran hat, dass Tellerränder Blicke begrenzen, sollte jeden zum nachdenken anregen. Man sieht durch den Rand des eigenen Tellers nämlich auch nicht, wer eigentlich der Feind ist und ist von ihm so lange steuer- und kontrollierbar, so lange man ihn nicht erkennen kann.

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