Wird Altersarmut zum Volkssport?


Wehe denen, die immer gut verdient und gut eingezahlt haben und die vielleicht aus irgendwelchen Gründen in den letzten Beitragsjahren schlechter bezahlte Stellen annehmen müssen. Die letzten Jahre entscheiden mit über die Höhe der Altersversorgung!

Weh auch denen, die immer eingezahlt haben, einige Jahre aus gesundheitlichen Gründen auf Erwerbsunfähigkeitsrente gesetzt waren und dann nochmal in schlecht bezahlten Jobs die letzten Arbeitsjahre ableisten.

Weh auch denen, die aus betrieblichen Gründen gekündigt und schlechter bezahlt wieder eingestellt werden für die letzten Jahre vor der Rente. Weh auch denen, die wegen Privatisierung eine gut bezahlte Arbeit im öffentlichen Dienst gegen eine schlecht bezahlte Stelle in der neuen GmbH tauschen müssen.

All jene werden sich im Ruhestand in Altersarmut wiederfinden und eine vielleicht seit Jahrzehnten bewohnte gute Wohnung gegen Hartz4-gerechten Wohnraum tauschen müssen. Viele werden sogar ihr vielleicht noch nicht voll abgezahltes Haus verlieren oder wegen dem Besitz von Vermögen keine Aufstockung der kargen Rente erhalten.

Weh dem, der vielleicht noch halbwegs Rente hat, aber auch einen Partner, der unter eine der oben aufgezählten Kategorien fällt, denn hier greift das Zauberwort „Bedarfsgemeinschaft“ und beiden bleibt nur noch Grundsicherung übrig oder man hat gerade mal genug, um nicht aufstocken zu müssen.

Gründe, unverschuldet und trotz langjähriger gut bezahlter Arbeit und entsprechend hoher Beitragszahlung in Altersarmut zu fallen, gibt es leider sehr viele und so mancher wird sich noch umschauen, wieso ausgerechnet ihn dieses Schicksal getroffen hat oder noch treffen wird.

Millionen Menschen in Deutschland geht es bereits heute so, aber es werden noch sehr viel mehr werden. Vor 2 Jahren hiess es, irgendwann könnte mal jeder vierte Rentner von Altersarmut bedroht sein. Vor einem Jahr hiess es, irgendwann in einigen Jahren könnte mal jeder zweite Rentner von Altersarmut bedroht sein. In diesem Jahr IST bereits jeder zweite Rentner nicht nur von Altersarmut bedroht, sondern steckt schon mitten darin.

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht, denn das „dicke Ende“ kommt erst noch mit den vielen heute prekär Beschäftigten. Altersarmut wird in Kürze für die allermeisten Rentner bis auf wenige Ausnahmen bittere Realität sein.

Dabei wird bereits seit Jahren über Möglichkeiten zur Vermeidung von Altersarmut geredet, nur geschieht nichts in dieser Richtung. Es gäbe durchaus Möglichkeiten, Rentenkassen zu entlasten oder Kosten zu senken. So würde allein die Einführung von auch nur geringen Rentenbeiträgen für Beamte genug Geld in die Rentenversicherung bringen, um die Renten für alle spürbar zu erhöhen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Änderung des Punktesystems, so dass die mögliche Höchstrente abgesenkt und eine Mindestrente von 1.000 Euro eingeführt werden kann. Auch Selbständige, Freiberufler und Politiker sollten sich an der allgemeinen Altersversorgung beteiligen müssen, dann müsste sogar das Renteneintrittsalter nicht erhöht werden. Ein höheres Renteneintrittsalter ist eh völlig unsinnig, denn die Ausübung vieler Berufe ist in fortgeschrittenem Alter nicht mehr möglich.

Ein sehr wichtiger Faktor ist auch die Familie, die heutzutage einen zunehmend geringeren Stellenwert hat in unserer bereits weitgehend entsolidarisierten und entsozialisierten Gesellschaft. Demografische Schwankungen mit unterschiedlichen Geburtenraten parallel zu Kriegs- und Friedenszeiten gab es schon immer und haben sich stets nach gewisser Zeit von alein auf ein bestimmtes Neveau eingependelt, ohne dass es künstlicher Massnahmen bedurft hätte. So war die Bevölkerung in Europa nach dem dreissigjährigen Krieg und der Pest extrem geschrumpft, hat sich aber nach einigen Generationen zunehmend erholt, ohne dass millionen Menschen einwandern mussten. Staatliche Versorgung gab es damals nicht, nur die Familie konnte die Alten versorgen. Heute gäbe es auch Möglichkeiten alternativer Wohnprojekte, in denen man sich auch bei Menschen ohne Familie umeinander kümmert, günstiger zusammen lebt und sich günstiger gemeinschaftlich versorgt als es einzelnen Haushalten möglich wäre.

Einfach nur immer Geld sparen, ist jedenfalls keine Lösung, denn wem man kein Geld gibt, der gibt auch keins aus, das die Wirtschaft, speziell den stets vernachlässigten Binnenmarkt, wieder belebt. Niemand verursacht nur Kosten, denn das Geld flisst stets wieder in den wirtschaftlichen Kreislauf.

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